Ich begrüße ausdrücklich, dass das Volksbegehren Nein zum Atomkraft-Greenwashing im Nationalrat von allen Parteien unterstützt wird. Das ist ein wichtiges Signal gegen den Etikettenschwindel, mit dem Atomenergie neuerdings als „nachhaltig“ verkauft werden soll.
Aber es reicht nicht, sich nur symbolisch gegen Atomkraft zu stellen. Man muss sich auch die Hintergründe ansehen, wenn man die Energiepolitik wirklich verstehen will. Der Strombedarf in Österreich, Deutschland und der gesamten Europäischen Union nimmt durch die sogenannte Energiewende deutlich zu.
Es ist grundsätzlich zu begrüßen, wenn Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Das allein reicht aber nicht aus. Wind, Sonne und Wasser sind wetterabhängig und nicht dauerhaft verfügbar. Sie können die Grundversorgung nicht garantieren. Deshalb muss man sich auch mit anderen Kraftwerkssystemen beschäftigen.
In Österreich wurden alle Kohlekraftwerke abgeschaltet. Gleichzeitig baut China derzeit rund 600 neue Anlagen in diesem Bereich. Gaskraftwerke gelten seit dem Krieg in der Ukraine als politisch untragbar. Und die Atomkraft lehne ich klar und entschieden ab.
Was wir derzeit erleben, ist ein erzwungener Versuch, Atomstrom als umweltfreundlich darzustellen. In Wahrheit geht es darum, den immer größeren Energiehunger irgendwie zu stillen. Deutschland hat zwar die eigenen Atomkraftwerke abgeschaltet, ist aber inzwischen auf Stromimporte angewiesen. Und zwar aus Frankreich. Dort wurden an der Grenze sechs neue Atomreaktoren errichtet, um den Bedarf zu decken. Das ist die andere Seite der sogenannten Energiewende.
Dieses Vorgehen ist realitätsfern. Es widerspricht dem, was wir im Nationalrat einhellig vertreten. Auch wenn wir uns in Österreich parteiübergreifend gegen Atomkraft aussprechen, wird dieser Kurs durch energiepolitische Entscheidungen aus Brüssel unterlaufen.
Ich bleibe dabei: Atomkraft ist keine Lösung. Und Greenwashing ist keine ehrliche Energiepolitik.